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Das Vohenstraußer Rathaus-Archiv - ein Schatzkästlein, nicht nur für Historiker

Als Alfons Sier, der Geschäftsleiter des Vohenstraußer Rathauses, zusagte, Schülerinnen und Schülern der siebten Jahrgangsstufe einen Einblick in das Stadtarchiv - insbesondere in den Vohenstraußer Anzeiger - zu ermöglichen, handelte es sich um eine kleine Gruppe interessierter Schüler, von denen die Anfrage ausging. Der erste Besuch war aber so erfolgreich, dass noch weitere Termine im Rathaus folgten. Die Inaugenscheinnahme der alten Papiere ließ das Interesse der Jugendlichen nämlich nicht erlahmen, sondern wirkte im Gegenteil - motivierend.

Das Besondere an dem Bestand gerade des Vohenstraußer Anzeigers ist unter anderem, dass es auch in zentralen Archiven wie dem in München oder dem in Amberg vermutlich keinen derart umfangreichen Bestand der zwischen 1879 und 1937 erschienenen Zeitung gibt. In ihr kann man Weltgeschichtliches ("Der Friedensvertrag in Rußland unterzeichnet" vom 5.3.1918), nationale Ereignisse ("Bayern Republik?" vom 9.11.1918) und rein lokalrelavante Themen ("Ein junges, weißgraues Huhn hat sich verlaufen" vom 5.3.1918) nachlesen.

Es ist dabei jedoch nicht so, dass sich einem die glänzenden Fundstücke und Perlen sofort erschließen. Auf den ersten Blick sind die Blätter von einst schon sperrig. Die Seiten enthalten kaum Bilder und sind eng in Sütterlin-Schrift bedruckt, wobei die Druckqualität oft nicht besonders überzeugend ist. So was ist für heutige Lesegewohnheiten reichlich ungewöhnlich.

Doch schreckte das die Jugendlichen keineswegs ab. Allein die Tatsache, dass das Papier zu einer Zeit gedruckt wurde, in der die Urgroßeltern Kinder waren oder noch nicht gelebt haben, erzeugt eine ganz eigene Faszination. Lässt man sich genauer auf die Seiten ein, ist die Bandbreite der Entdeckungen groß. Natürlich findet man Kurioses, z.B. die Ankündigung, dass demnächst die Dienste des über Land ziehenden Rattentöters wieder in Anspruch genommen werden können. Sehr befremdlich mutet es in Zeiten unserer Datenschutzdebatte an, wenn man am 15. Januar 1918 nachlesen kann, dass auf der Burgschleife Hanau ein Dienstknecht "plötzlich geisteskrank" geworden sei - wobei der Vor- und Nachname des Erkrankten abgedruckt sind.

Für Staunen sorgten immer wieder die Anzeigen. Man kann tausende Reisigbesen käuflich erwerben, ein Rattenfänger bietet seine Dienste an und wer Naturdärme (im Säckchen oder im Kistchen versendet) braucht, wird auch versorgt. Dass Klappern zum Handwerk gehört, hatte man zu der Zeit schon verstanden.

Aber man sitzt auch immer wieder betroffen vor Anzeigen, in denen es z.B. heißt "Du errötest nicht, wenn Du Goldschmuck anlegst, während Zehntausende für das Vaterland bluten?" (15. Januar 1918). Auch die weltpolitischen Nachrichten können uns ins Mark treffen - wir wissen in der Rückschau, was aus den "News" von damals entstanden ist. Im Nachhinein lesen wir manche Artikel ganz anders, als dies den Zeitgenossen möglich war: Die Artikel geben zum Beispiel Auskunft über die Ereignisse des Hitlerputsches und der  so genannten "Machtergreifung" - nur trugen diese Ereignisse damals natürlich noch nicht diese Namen.

Damit lernen die Jugendlichen bei der Lektüre uralter Zeitungen auch viel darüber, wie man mit tagesaktuellen Nachrichten umgehen sollte. "Breaking News" sind oft nicht die Zeit wert, die es braucht, sie zu lesen - und Ereignisse, die für uns von größter Bedeutung sein können, dümpeln zuweilen in den Randspalten herum. Und - gerade die Zeitungen aus den Kriegsjahren lassen die Nachrichten von heute, in denen immer wieder und immer noch Kriege die Menschen leiden lassen, in ganz anderem Licht erscheinen.

Im direkten Kontakt mit historischen Originalen erwerben die Jugendlichen nicht nur Geschichtswissen und geschichtliches Handwerkszeug - es entsteht auch eine intensive Form von Geschichtsbewusstsein.

Ein herzlicher Dank geht an Alfons Sier und das Rathaus Vohenstrauß für die uns stets und in dem besonderen Fall entgegengebrachte Unterstützung (und für die süßen Leckereien)!

 

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